Willkommen!

therapie-mit-pferden.de
Konstanze Schleehauf, Dr. phil., Diplom-Pädagogin,
autorisiert für die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd (DKThR)


E-Mail schicken
 

 

VARIATIONEN IM HEILPÄDAGOGISCHEN VOLTIGIEREN UND REITEN:

DIE WETTERABHÄNGIGE ARBEIT

Dieser Artikel erschien in der Verbandszeitschrift des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten im Januar 2000.


  1. Einleitung
  2. Voltigieren trotz Eis, Schnee oder leichtem Regen
  3. Reiten trotz Eis, Schnee oder leichtem Regen
  4. Weitere Aktionen mit dem Pferd in Bewegung
  5. Theaterarbeit mit Pferden
  6. Selbsterfahrung am Pferd
  7. Spiele und Aktionen zur Selbsterfahrung ohne Pferde
  8. Theorie ohne Pferd
  9. Theorie beim Pferd


 

1. Einleitung

Vor nunmehr zwei Jahren habe ich mich aus der vermeintlichen Sicherheit von Reitvereinen herausbegeben um auf freiberuflicher Basis in den beiden einzigen Einrichtungen Berlins, welche in erster Linie dem Therapeutischen Reiten vorbehalten sind, zu arbeiten. Dem "Don-Bosco-Ponyhof" im Don-Bosco-Heim Berlin und dem "Therapeutischen Reitprojekt Ira" im Ev. Johannesstift Berlin. (Die beiden einzigen auch, welche momentan die Plakette des DKThR haben.) Der Schutzraum für die zu mir kommenden Kinder und die damit verbundenen Entfaltungsmöglichkeiten im therapeutischen Kontext waren mir wichtiger als ein gesicherter Lohn. Und die artgerechte Haltung der Pferde und Ponies - nämlich ganzjährig im Herdenverband in Offenställen - war mir auch wichtiger als die mögliche Nutzung einer Reithalle.

Daß diese reittherapeutischen Inseln schon zu Mauerzeiten in (West-)Berlin entstehen konnten, lag sicherlich mit an der einfacheren sozialpolitischen Situation dieser Zeit in dieser Stadt. An den Bau einer Reithalle war aber alleine schon aus räumlichen Gründen lange nicht zu denken und die Mitbenutzung anderer Hallen schloß sich von daher aus, daß diese nicht allzu dicht gestreut waren und man zudem in Konkurrenz hätte treten müssen mit den unzähligen anderen Pferdemenschen dort. Denn die Mauerstadt Berlin galt als die Stadt mit den meisten Pferden pro Einwohner, wobei sich diese mit den Ställen an den weniger zahlreichen Randgebieten zufrieden geben mußten. Offenställe, Weidehaltung und Ausreitgelände gab es kaum und die Pensionen für die Boxen waren zum Großteil extrem teuer, der Andrang auf die Reithallen war aber dafür umso größer.(Monatliche Preise zwischen 1000,- und 1500,- DM waren keine Seltenheit und vermutlich nicht Bundesdurchschnitt).

Beide Reittherapeutischen Einrichtungen kämpfen seit der theoretischen, räumlichen Grenzenlosigkeit natürlich auch um die Mittel zum Bau einer Reithalle. - Leider in einer nun absolut veränderten sozialpolitischen Situation. - So habe ich die in den letzten zwei "hallenlosen" Wintern erarbeiteten Inhalte und Ziele zusammengetragen und möchte sie im Folgenden darstellen. Vielleicht gelingt es mir hierdurch andere Fachkräfte anzuregen dem vermeintlich schlechten Wetter positive Seiten abzugewinnen und sich gegebenen Situationen zu stellen. Mit dieser Einstellung war es in meiner Arbeit während den letzten beiden Wintern auf jeden Fall gerade Mal eine Einheit pro Kind, welche aus Witterungsgründen ausfallen mußte (z.B. bei dem extremen Eisregen vor zwei Jahren, als in Berlin auch alle Verkehrsmittel ausfielen).

Für alle Aktionen gilt natürlich, daß diese mit den Eltern bzw. ErzieherInnen abgestimmt sind und die Kinder und Jugendlichen in entsprechender Kleidung zum Stall kommen. Für den Fall eines plötzlich einsetzenden Regens sind wir durch einige, vorrätige Regenjacken vorbereitet.

Die Gliederung dieser Anregungen ist an den vordergründigen Inhalten orientiert. Meist spreche ich der Einfachheit halber von "Pferden", wir haben jedoch Ponies und Pferde der verschiedensten Größen und Rassen.

 

2. Voltigieren trotz Eis, Schnee oder leichtem Regen

Bei diesem Thema ist es wichtig auch die Kinder welche gerade nicht am Pferd sind zu beschäftigen. Hierzu setzte ich häufig sog. Randaufgaben ein, welche von den Kindern zum Großteil mit Feuereifer angegangen werden. Natürlich müssen die darin enthaltenen Anforderungen den Kindern angepaßt sein und ggfl. steht ihnen eine Praktikantin zur Seiten. Zielsetzung kann hierbei natürlich auch sein, daß die Kinder sich gegenseitig unterstützen, z.B. beim Lesen oder Erkennen der Aufgaben, beim Aufbau der "Hindernisse" und bei der Umsetzung.

Bei Schnee "muß" dieser geradezu mit eingebaut werden, da er die Kinder natürlich stark anzieht. In der Regel bauen sie dann gemeinsam ein Schneepferd. - Am liebsten natürlich in der Größe daß sie dann auch (mit Schneeanzug) darauf reiten können. So entstand im letzten Winter ein ausgesprochen langes "Rechteckpferd": Es bot locker fünf Kindern Platz, mußte unter diesen Umständen allerdings liegen, wodurch für die Kinder klar war, daß es ein sehr liebes Pferd ist, welches soetwas geschehen läßt.

Ein noch größeren Stellenwert als in der sonstigen Arbeit nehmen im Winter natürlich die Voltigierspiele ein: Jene mit möglichst viel Bewegung, häufigem Wechsel und viel Gruppenaktion lassen das Wetter schnell nebensächlich werden. Für die Übungsrunden empfiehlt es sich jetzt besonders ein Holzpferd miteinzubeziehen, wo die wartenden Kinder z.B. Abläufe erproben können. Bei Schnee gilt wiederum daß dieser gut integriert werden kann, z.B. beim "Schnee-Eierlauf".

Hat man die Möglichkeit das Holzpferd in einem Raum zu stellen kann an ihm natürlich auch einiges erprobt und gespielt werden, was ihm seine lebenden Kollegen dann sicherlich danken. Unsere Holzpferde sind in solchen Situationen häufig die schnellsten Wildpferde, welche auch vom vorsichtigsten Kind geritten und gezähmt werden.

 

3. Reiten trotz Eis, Schnee oder leichtem Regen

Manchmal bin ich selbst erstaunt wie unerschrocken die Kinder mit den Witterungsbedingungen umgehen. So entstand im letzten Herbst bei einem Regenausritt (mit guten Regenjacken und -hosen, ohne Sättel und nur im Schritt) bei einer Mädchengruppe der Wunsch dieses "Abenteuer" doch auszudehnen und einmal einen Wanderritt zu machen. - Dieser Wunsch wurde ihnen dann im darauffolgenden Mai erfüllt. Trotz dem sonst warmen Wetter regnete es auch auf diesem Ritt einmal (für einen halben Tag) aber diese Situation dann in der Gruppe zu meistern (z.B. in der Pause die Sättel und die Sattellagen der Pferde trocken zu halten - und das eigene Butterbrot auch) hat soviel für den Zusammenhalt der Gruppe bewirkt, daß ich sie nicht missen wollte.

Ebenfalls mit Begeisterung aufgenommen werden in der Regel Reitspiele ohne Sattel und mit viel Aktion. Wer z.B. kann das Pferd mit verbundenen Augen um Slalomhütchen führen, während der oder die "Reitende" (auf dem Pferd sitzend - ohne Zügel) die Richtung ansagt? (Es empfiehlt sich vorher zu überprüfen, ob alle der gleichen Meinung sind wo sich rechts und links befindet.)

Auch das Reiten der Pferde im Geschicklichkeitsparcours bietet sich bei hartgefrorenen (und vorher penibel glatt gezogenem Boden) an. Bei guter Schneelage hingegen können die Bodenhindernisse dann schon auch Mal aus Schnee neukreiert werden.

Das Quadrillereiten im Schritt kann für viele Kinder eine Herausforderung sein und die Aufmerksamkeit, Koordination und das Miteinander stärken. Besteht die Möglichkeit dafür selbst Musik auszuwählen und mitzubringen und das Erprobte zu Fasching vielleicht wirklich mit Kostümen und geschmückten Pferden aufzuführen - dann ergibt sich die Motivation meist von allein.

 

4. Weitere Aktionen mit dem Pferd in Bewegung

Nicht nur zur Faschingszeit kann das Schmücken und Verkleiden der Pferde von Bedeutung sein. Unser "Pensionär" Asterix, z.B. wurde von einem Mädchen einen Winter lang täglich (!) neu verkleidet. Ggf. schließt sich dann ein Spaziergang an bei dem die Blicke der anderen Menschen einiges zum Spaß und Stolz beitragen können.

Das Spazierengehen mit den Pferden und die Arbeit an der Hand im Geschicklichkeitsparcours ist für die Kinder und Jugendlichen in unseren Einrichtungen sicherlich auch deshalb Alltag, da auch dies ein Teil unserer Korrekturarbeit mit den Pferden im Winter ist. (Neben Longieren auf dem frostunabhängigen Zirkel, Arbeit am Langzügel, Gewöhnung an Hilfsmittel, Ausritte und Ausnutzung aller bodenfrostfreien Tage).

Das selbe gilt sicherlich auch für das Schlittenfahren mit den Ponies. - Vermutlich der größte Spaß überhaupt im Winter.

Die Reitspiele - bzw. in diesem Zusammenhang die "Pferdespiele" (eben ohne reiten) haben in diesem Kontext auch ihren Platz. Zahlreiche Anregungen bieten hierfür die Sammlungen von Voltigierspielen am Pferd, nur daß das Pferd hierfür natürlich auch geführt/gehalten werden kann.

Ausflüge mit den Kindern und den Pferden können zudem mit verschiedenen Themen gefüllt werden. So sammeln wir jedes Jahr vor Weihnachten mit einem "Packpferd" Tannenreisig und -zapfen für die gemeinsame Adventsfeier. Und das Wunderpferd "Pegasus" welches unsere Kinder immer wieder mit neuen verzwickten Aufgaben in den Wald schickt (ähnlich einer Schnitzeljagd) gehört gerade für die Jüngeren schon selbstverständlich nahezu zur Herde. - Obwohl sie es noch nie gesehen haben, denn Pegasus tritt nur Nachts in Erscheinung um den Kindern dann Briefe aus Mondstaub zu hinterlassen.

 

5. Theaterarbeit mit Pferden

Plant man auch die Theaterarbeit mit Kindern und Pferden in die pädagogische Arbeit mit ein, so können die wirklich ungemütlichen Tage dazu genutzt werden die aktuelle Geschichte und die verschiedenen Figuren gut kennenzulernen. Davon ausgehend kann das Spiel der Figuren frei und für den Anfang ohne Pferde ausprobiert werden bis dann jedes Kind seine ihm eigene Rolle gefunden hat. Für unser letztes Theaterstück haben dann die Tage mit so schlechtem Wetter daß man nicht draußen sein mochte, kaum gereicht um alle Kulissen zu basteln und die Kostüme zusammenzustellen.

 

6. Selbsterfahrung am Pferd

Hierzu ist es wichtig, daß ein genügend großer, geschützter (vor den Wetterwidrigkeiten, vor Blicken und anderer möglicher Ablenkung) Raum zur Verfügung steht. Dies kann z.B. eine große Box oder ein abtrennbarer Offenstall sein.

Es gilt gut abzuwägen welche Form von Selbsterfahrung für welchen Menschen in Frage kommt, denn da es hier noch viel direkter als in unserer sonstigen Arbeit um körperliche Kontaktaufnahme geht, welche durch fehlende große Aktion auch unmittelbarer wird, muß Grenzüberschreitungen vorgebeugt werden. Wichtig ist darum auch, daß es jedem teilnehmenden Menschen möglich ist aufzuhören oder eine Pause zu machen wenn er oder sie dies möchte. Wie dies umzusetzen ist, wird bei beständiger Reflexion sicherlich individuell deutlich, wobei ich dazu anregen möchte auch die eigenen Grenzen und unbewußte Grenzüberschreitungen bei sich selbst mit zu bedenken.

Ein Einstieg in diese Arbeit kann z.B. das Putzen ohne Striegel und Kardätsche sein. Mit etwas Geduld und Phantasie bekommt man ein Pferd auch mit den bloßen Händen, ohne irgendwelche Hilfsmittel sauber! (Wobei es natürlich nicht unbedingt klatschnaß sein sollte.) Wem dies zu nah ist, dem sind vielleicht Fell-Putzhandschuhe oder Tücher aus verschieden festen Stoffen angenehm.

Im Folgenden kann vielleicht das Pferd ertastet werden und mit bereitgelegten Stiften und Papier (ggfl. mit vorgemaltem Pferd) ist darzustellen wo sich das Pferd wie anfühlt (weich, struppig, stachlig, hart, ...).

Von der Durchführung her ähnlich ist es zu zeichnen was man am Pferd positiv und was negativ empfindet. Hierbei ist es gut wenn man wirklich für jede/n TeilnehmerIn das Pferd in der Nähe hat mit dem er oder sie momentan am Meisten zu tun hat. Angenehm ist es auch wenn die Räumlichkeit so beschaffen ist, daß wirklich jede/r Teilnehmende seine Malecke für sich hat. Ansonsten geht es schnell ums Vergleichen, Nachmachen und "wer hat das am schönsten gemalte Pferd?".

Hiervon ausgehend kann man die Kinder dazu anregen sich paarweise zusammenzutun, ein Kind schließt die Augen und das andere führt eine oder beide Hände des "blinden" Kindes über das Pferd. (Möglichst einmal vormachen.) Wichtig ist m.E. daß die Augen nicht grundsätzlich verbunden werden, denn auch dies kann eine deutliche Grenzüberschreitung sein. Das fühlende Kind kann nun evtl. äußern wo das Pferd sich wie anfühlt (weich etc.), wie es das empfindet oder ganz einfach wo es denkt daß es sich gerade mit den Händen befindet.

Ein anderes Spiel was unsere Kinder und Jugendlichen immer wieder einfordern, ist das blinde Erraten welches Pferd vor einem steht. Hierzu holen wir eine bestimmte Anzahl von Pferden von der Koppel. (Am Anfang vielleicht nur die Lieblingspferde der Kinder, später vielleicht auch Mal all´ unsere Pferde.) Somit wird festgelegt welche Pferde "mitspielen". (Sind es mehr Pferde als Mitspieler, kann man sie evtl. in der Reitbahn frei laufen lassen.) Nun schließt ein Kind freiwillig die Augen oder bekommt sie (auf Wunsch) verbunden. Ein anderes führt eines der Pferde zu ihm, nachdem sich die Gruppe leise über die Auswahl beraten hat. Das "blinde" Kind kann nun erraten welches Pferd es vor sich hat. Ggfl. kann die Gruppe natürlich Hilfestellung leisten durch Fragen wie: "Ist es ein Pferd oder Pony? / Was für eine Mähne / Schweif hat es? / Wie fühlen sich die Hufe an? ..."

Direkter mit Aktion verbunden ist das Massieren der Pferde (z.B. nach L. Tellington-Jones). Für Kinder welchen dies wiederum zu dicht am Pferd ist, haben wir Igel und Massagestriegel/-handschuhe zur Auswahl. Ziel kann es sein dem Pferd etwas Gutes zu tun (z.B. auch nach einer Voltigier- oder Reitstunde), dem Pferd Ruhe zu geben, o.ä.. Am eindrücklichsten für mich ist es immer wieder wenn es einem Kind mit offensichtlichen Aufmerksamkeitsschwierigkeiten gelingt sein Pferd in den Halbschlaf zu massieren. Erfahrungsgemäß natürlich auch ein besonderer Eindruck für das Kind selbst.

Last but not least komme ich nun zu den Meditationen am Pferd. Diese können mit etwas Erfahrung von der Reitpädagogin frei erdacht, oder von Vorlagen abgelesen werden. Wichtig ist das immer zwei TeilenehmerInnen an einem Pferd sind. Jeweils eine/r ist zuständig für das Stehenbleiben des Pferdes (es sollte nicht weggehen dürfen, aufmerksam bleiben, aber sich dennoch bewegen können). Der/die mit den Händen arbeitet steht auf Höhe des Pferdebauches, Gesicht und Körper dem Pferd zugewandt, fest und bequem auf beiden Füßen.

Hier nun ein kurzer Einblick:

"Ich spreche jetzt so laut, daß ihr mich alle gut hören könnt, so daß ihr ganz bei euch und eurem Pferd sein könnt. - Überlege dir, was du heute/in den letzten Tagen/bisher über dieses Pferd erfahren hast. - Wie fühlt sich dein Pferd an: warm, weich, angenehm, unangenehm, lebendig, pulsieren, ... . - Du gibst dem Pferd etwas ab über deine Hände, du vermittelst ihm mit deinen Händen: ich bin da, ich tue etwas mit dir, ich habe Zeit, ich interessiere mich jetzt nur für dich. -

Du kannst ihm leichten Druck abgeben und wieder nachlassen, abgeben und wieder nachlassen, mehrmals, spüre wie das ist. - Laß deine Hände wieder ruhig liegen, fühlt es sich jetzt anders an, hat sich etwas verändert bei deinem Pferd, bei dir, zwischen euch beiden. - Jetzt streiche in fließenden, leichten Bewegungen nach unten zum Bauch hin und wieder hoch, nimm dabei deinen ganzen Körper mit. - ............................ - Bereite dich langsam darauf vor, dich von deinem Pferd zu verabschieden. - Gib deinem Pferd noch etwas mit, eine Idee, einen Wunsch, Energie oder ähnliches, etwas ganz persönliches, das es nur zwischen dir und deinem Pferd gibt. - Gib ihm über deine Hände etwas mit, von dem nur ihr zwei wißt. - Gehe jetzt einen Schritt zurück, sieh dir dein Pferd noch einmal an und verabschiede dich ruhig von ihm. ............... ."

Wichtig ist eine Nachbereitung im Gespräch mit allen TeilnehmerInnen!

Weiter Ideen für ähnliche Meditationen (die man eben für die Situation am Pferd entsprechend verändern muß,) finden sich in Büchern zu Phantasiereisen und Meditationen für Kinder und Jugendliche. Thematisch kann es um das Erfühlen einzelner Körperteile und -funktionen bei sich oder dem Pferd gehen (z.B. der Atmung, dem Herzen) oder um stärkende Phantasien, je nach Thematik des einzelnen Kindes.

 

7. Spiele und Aktionen zur Selbsterfahrung ohne Pferde

Für Tage wo man die geheizten Räume nun gar nicht verlassen mag, plane ich zeitweise Malaktionen zu verschiedenen Themen ein. diese können z.B. sein: "Wie sehe ich mich selbst als Pferd", "Mein Traumpferd" oder "Von welchem Erlebnis mit den Pferden träume ich". In solchen Settings hat sich z.B. auch der Gedanke zu dem zuvor erwähnten Wanderrittes verfestigt. aber auch Reflexionen zum Selbstbild der Kinder, zu ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen werden möglich.

Hierzu eignet sich auch das Spiel mit verschiedenen Pferdebildern/-postkarten, anhand derer z.B. ausgedrückt und erzählt werden kann welches dargestellte Pferd mir heute am meisten entspricht.

Über das Spiel die verschiedenen Pferde unserer Einrichtung darzustellen (und die anderen müssen erraten um welches es sich handelt), kommt man gut zum Darstellen von Gefühlen: Verschiedene Gefühle werden anfangs von allen Teilnehmenden gesammelt und auf Kärtchen notiert. Wenn diese gemischt sind ziehen alle reihum jeweils ein Kärtchen, stellen das hierauf vermerkte Gefühl dar und die restliche Gruppe rät. Hierbei ergeben sich wiederum häufig Gespräche in der Gesamtgruppe wie sie im sonstigen HPVR-Alltag eher selten sind.

 

8. Theorie ohne Pferd

Auch dies ist ideal für die kältesten und ungemütlichsten Tage des Jahres. Neben den zahlreichen Arbeitsblättern und -tafeln welche es hierzu von der FN gibt (sehr zu empfehlen ist das Heft "Pferde - Unterrichtsmaterialien für Grundschüler"), basteln und zeichnen wir uns immer wieder unsere eigenen Plakate.

Des weiteren kommen natürlich pferdebezogene Spiele (wie z.B. das "Pepe Ponyschreck" vom Verlag der "Freizeit im Sattel" und Pferdememories welche es inzwischen von diversen Herstellern gibt), sowie die Fragekärtchen z.B. zum "Kleinen Hufeisen" (ggf. zu schwierige Fragen aussortieren)voll zum Einsatz.

 

9. Theorie beim Pferd

Hier ist es auch der Phantasie überlassen gerade auch für Kinder welche nicht lesen können Wissenswertes über die Pferde aufzubereiten. Wie wäre es z.B. mit einem Gang in die Futterkammer wo sie - evtl. in einer besonderen Schüssel - ein "Menü" für ihr Lieblingspferd selbst zubereiten können. Dabei muß es gar nicht um die eigentlich auf dem Futterplan festgelegte Mahlzeit gehen, vielmehr kann eine handvoll Pellets mit "Kräutern" welche sich noch auf der Weide finden dekoriert werden und mit "Möhren im Hafermantel" umrandet sein. Wo der Unterschied von den einen Pellets zu den Rübenschnitzelpellets liegt, warum letztere in einem abgeschlossenen Behälter sind und wie sie letztlich aussehen sollen, daß wird sozusagen nebenbei besprochen. Oder wie wäre es mit einem Gang über das Offenstallgelände bei dem die Kinder sich gut merken können, was ihre Pferdefreunde im Alltag alles benötigen. Im Anschluß können sie dann den Traumstall für "ihre" Pferde auf dem Papier entwerfen. Da wird dann neben viel Gras und Platz zum rennen (was sie auch schon zuvor für ihr Pferd aufgemalt hätten), auch sicherlich die Tränke, die Schutzhütte und die Futterraufe nicht fehlen. Auf dieser Art und Weise können sich dann z.B. auch die Jüngsten auf die Theorie zum Kleinen Hufeisen vorbereiten.

Zum Abschluß kann ich noch sagen, daß die Bemühungen um Reithallen in beiden Einrichtungen momentan sehr hoffnungsvoll aussehen. Ich gehe allerdings davon aus, daß auch wenn dies nun mein letzter Winter ohne Halle sein sollte, ich dennoch die Witterung und Natur auch in den folgenden Jahren als Bereicherung für meine Arbeit ansehen werde.

 

 

__________________________________